UN warnen vor Überfischung der Meere

von | 9. Juli 2012 | News - Fischerei

30 Prozent der weltweiten Fischbestände sind überfischt

Angesichts überfischter Weltmeere und der damit bedrohten Lebensgrundlage von Millionen Menschen hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in ihrem Jahresbericht zur Fischerei die Regierungen zu einer nachhaltigen Fischereipolitik aufgerufen. Nach wie vor sind nahezu 30 Prozent der weltweiten Fischbestände überfischt, 57 Prozent befinden sich an der Grenze ihrer maximaler Ausbeutung. Lediglich 13 Prozent der weltweiten Fischbestände sind derzeit noch nicht voll ausgebeutet. Hinzu kommt, dass etwa 40 Prozent aller weltweiten Fänge sogenannter unerwünschter “Beifang” sind (darunter Hunderttausende Wale und Delfine), der tot wieder im Meer entsorgt wird. Die industrielle Fischerei ist die mit Abstand größte Gefahr für das Überleben der Delfine in den Weltmeeren.

Typisches Beispiel: Der EDEKA/WWF-Thunfisch-Skandal

Dosenetikett des delfintödlichen Thunfisch von EDEKAEin typisches Beispiel hierfür war der EDEKA/WWF-Skandal um angeblich nachhaltig gefangenen Thunfisch, bei dessen Fang jedes Jahr über 1.000 Delfine einen grausamen Beifangtod starben, wobei Experten von einer weit höheren Dunkelziffer sprechen. Die intelligenten Meeressäuger ertrinken langsam und äußerst qualvoll in den Ringwadennetzen der Fangschiffe, deren Thunfisch-Filets dann nett etikettiert als “naturschonend und selektiv gefangen” von EDEKA in Deutschland verkauft wurden.

Erst nach massiven Protesten der GRD erklärte sich EDEKA im April 2012 bereit, die Ware mit den unsäglichen “in Kauf zu nehmenden Delfinbeifängen beim Thunfischfang” nicht mehr zu beziehen.

Neuer Jahresfangrekord trotz schrumpfender Bestände

Zwar hat die Fischfangindustrie mit 128 Millionen Tonnen Fisch einen Jahresfangrekord aufgestellt und ermöglicht etwa 55 Millionen Menschen ein Einkommen, doch die Fischereiindustrie steht vor massiven Problemen: ungenügende Steuerung des weltweiten Fangs, Schwächen im Management oder Streit über die Nutzung der vorhandenen Fisch-Ressourcen.

Überfischung hat aber nicht nur negative ökologische Folgen, sie verringert auch die Produktion, was auch negative soziale und wirtschaftliche Auswirkungen hat”, so die FAO. Für den alle zwei Jahre erscheinenden Weltfischereibericht wertete die FAO Daten zu 395 Beständen aus, die 70 Prozent des Weltfischfangs repräsentieren.

Nur durch ein wirksames Fisch-Management hätten die erschöpften und überfischten Bestände eine Chance, sich erholen zu können, sagt Arni M. Mathiesen, Chef der FAO-Abteilung für Fischerei und Fischzucht. Besonders die EU steht hier in der Verantwortung. Nirgendwo sonst auf der Welt werden die Meere derart stark ausgebeutet, drei von vier wirtschaftlich genutzten Fischbeständen in der EU sind überfischt.

Der Bedarf für Fisch wächst weltweit

Laut den Analysen der FAO stieg der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch auf die höchste je ermittelte Menge von 18,4 Kilogramm. Diese ständig wachsende Nachfrage wird in Zukunft nicht mehr gestillt werden können, zu viele Fischbestände befinden sich am Rande der Erschöpfung und drohen zusammenzubrechen. Meeresschützer fordern seit Langem einen Paradigmenwechsel in der Fischereipolitik. Mehr Schutzgebiete und fischereifreie Zonen, umweltfreundliche und nachhaltige Fangtechniken und eine massive Verkleinerung der Fangflotten sind erforderlich, um der Krise zu begegnen, die in Europa besonders drastisch ist.

Weniger Fisch für mehr Leben in den Meeren

Zum Schutz von Delfinen und anderen Meeressäugetieren sollte man generell weniger Fisch essen und auf Fischarten verzichten, deren Fischerei unselektiv und mit einer hohen Beifangrate verbunden ist.
Foto oben: Alex Hofford, Greenpeace/Marine Photobank

l

Weitere Artikel

GRD fordert mit Positionspapier entschlossenes politisches Handeln gegen die Plastikflut!

Die Verschmutzung der Meere hat ein dramatisches Ausmaß erreicht: Jährlich gelangen weltweit bis zu 23 Millionen Tonnen Plastik in die Gewässer – mit verheerenden Folgen für die marinen Ökosysteme und damit auch für unsere Lebensgrundlagen. Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) hat dem Bundesumweltministerium ein umfassendes Positionspapier vorgelegt und fordert entschlossene politische Maßnahmen, anstatt die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ignorieren und eine Ausweitung der Umweltkatastrophe in Kauf zu nehmen.

weiterlesen

Update zum Delfin-Massaker auf den Färöer-Inseln

Das Abschlachten von 1428 Weißseitendelfinen auf den Färöer-Inseln hat 2021 weltweit große Empörung hervorgerufen. Wie reagieren die Färinger auf die Kritik? Gibt es ein Umdenken seitens der Politik? Und welche Aktionen wurden hierzulande gestartet, um gegen Grinds zu protestieren? Auf dieser Seite, die regelmäßig aktualisiert wird, geben wir einen Überblick.

weiterlesen

Spendenkonto

Gesellschaft zur Rettung der Delphine
SozialBank AG
IBAN:
DE09 3702 0500 0009 8348 00
BIC:
BFSWDE33XXX

Ihre Spenden, Patenschafts- und Förderbeiträge sind steuerlich absetzbar.

Ihre Hilfe kommt an

Die GRD ist als gemeinnützig und
besonders förderungswürdig anerkannt.

Zum Newsletter anmelden

Bitte tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse ein.

Vielen Dank für Ihr Abonnement!